Das Elsass existiert nicht mehr, 2017

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„Das Elsass existiert nicht mehr. “ so sprach François Holland, als ihn zwei junge Elsässer nach einem deutsch-französischen Ministerrat in Metz zur Rede stellten.

„Man muss ja die Illusion erzeugen, dass es sich um eine wahre Reform handelt.“ so der freimütige Kommentar von Marlyse Lebranchu, seiner Ministerin für die Dezentralisierung und den öffentlichen Dienst, über das Gesetz zur Gebietsreform.

Die Unbekümmertheit dieser Aussagen aus den Mündern der ranghöchsten Staatsvertreter zeigt, dass dieses Gesetz – dass unter anderem das Elsass mit Lothringen und der Champagne-Ardenne zwangsverheiratet hat – ein Paradebeispiel für die Missstände ist, unter denen die französische Demokratie leidet: Verachtung der Bürger, gesetzgebende Stümperei, Kapitulation der Parteien, Demokratieverweigerung…

Der parteilose Pierre Kretz analysiert hier in aller Freiheit die Mechanismen, die zum Verfall der demokratischen Prozesse in Frankreich führen, wobei er von der politischen und sozialen Realität im Elsass ausgeht und sich auf einige große Theoretiker der Demokratie (Montesquieu, Pierre Mendès France, Jürgen Habermas…) bezieht.

Nach dem erfolgreichen Das neue Elsässische Leiden, das dazu beigetragen hat eine Debatte zu führen, die den Bürgern versagt blieb, möchte das vorliegende Buch die angestoßenen Überlegungen vertiefen und dies mit der Klarheit, dem Humor und der Ironie, die dem Autor eigen sind. 

Der ehemalige Anwalt Pierre Kretz kann es immer noch nicht fassen, dass die Regierung seines Landes dermaßen den Rechtsstaat verleugnet. Der Schriftsteller, der auf beiden Seiten des Rheins gelesen wird und der „das Elsass für Anfänger“ geschrieben hat, konnte sich nicht vorstellen, dass seine Region eines Tages ohne jegliche Volksbefragung von der Landkarte entfernt werden könnte. Mit Bestürzung wohnt er der Geburt einer offenkundigen Absurdität bei, die den Namen „Région Grand Est“ trägt. 

Umschlagsgestaltung von Yannick Lefrançois, politischer Karikaturist der Zeitung „Dernières nouvelles d’Alsace“.